
Die Herausforderung globaler HRIS-Implementierungen
Internationale Unternehmen stehen bei der Implementierung von HR-Systemen vor einem strukturellen Spannungsfeld: Einerseits erfordert die globale Organisation ein harmonisiertes, einheitliches Datenmodell. Andererseits unterliegen Personalstammdaten in jedem Land spezifischen gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich Pflichtfeldern, Datenformaten und Sichtbarkeitslogiken.
In SAP SuccessFactors Employee Central basiert die Architektur auf einem globalen Datenmodell. Länderspezifische Anforderungen werden über das Country-Specific Fields (CSF)-Datenmodell integriert.
Dieses ermöglicht landesspezifische Konfigurationen für zentrale Elemente wie:
- globalInfo
- homeAddress
- nationalIdCard
- jobInfo
- compInfo
- employmentInfo
Für über 100 Länder stellt SAP vorkonfigurierte Inhalte bereit – etwa Ausweisnummernformate oder landestypische Adressstrukturen. So lassen sich lokale Anforderungen strukturiert in ein globales Template einbetten.
Steuerung über die Business Configuration UI
Die Business Configuration UI (BCUI) bildet die technische Grundlage. Globale Felder bleiben optional, während länderspezifische Konfigurationen Pflichtstatus und Sichtbarkeit gezielt übersteuern.
Bei identischen Feld-IDs können Mandatory und Visibility pro Land individuell definiert werden, während Feldattribute wie Auswahllisten oder Freitextfelder für eine Feld-ID länderübergreifend harmonisiert bleiben müssen. Die Steuerung erfolgt automatisiert über die Rechtseinheit des Mitarbeiters – relevante Felder werden systemseitig angezeigt und gegebenenfalls verpflichtend gesetzt.
Business Rules als zentrale Steuerungsebene
Business Rules ergänzen die BCUI und sind insbesondere dann entscheidend, wenn:
- komplexe Mehrfachbedingungen gelten
- zusätzliche Attribute wie Mitarbeiterklasse oder Beschäftigungsart berücksichtigt werden müssen
- keine Country-Specific Fields konfigurierbar sind
Sie ermöglichen dynamische Pflichtfeldlogiken und kontextabhängige Validierungen – etwa, wenn ein Feld nur verpflichtend wird, sobald mehrere Kriterien gleichzeitig erfüllt sind.
Damit bilden Business Rules eine eigenständige und unverzichtbare Komponente jeder Multi-Country-Architektur.
Person Types für differenzierte Szenarien
Für Onboardees, Contingent Worker oder andere spezielle Gruppen lassen sich Person Types definieren. Diese übernehmen Basiselemente, erlauben typenspezifische Pflicht- und Sichtbarkeitsregeln und können ebenfalls länderspezifisch konfiguriert werden.
Country/Region-Specific Person Types überschreiben globale Konfigurationen und schaffen eine klare Hierarchie innerhalb komplexer Systemlandschaften.
Berechtigungsmanagement berücksichtigen
Länderspezifische Felder erzeugen eigenständige Role-Based Permission (RBP)-Einträge, die explizit freigegeben werden müssen.
Berechtigungen sollten daher immer parallel zur Konfiguration getestet und validiert werden.
Strukturierte Implementierung
Eine nachhaltige Multi-Country-Umsetzung umfasst:
- Analyse der vorhandenen CSF-Standards
- BCUI-Konfiguration nach dem Prinzip „global optional, lokal gesteuert“
- Einsatz von Business Rules für komplexe Logiken
- Definition von Person Types für Sonderfälle
- Anpassung der RBP für länderspezifische Felder – unter Berücksichtigung, dass Role-Based Permissions in der Neueinstellungsmaßnahme (Add New Employee) nicht greifen. In diesen Fällen muss die Steuerung von Sichtbarkeit oder Pflichtlogiken ergänzend über onInit Rules erfolgen.
- End-to-End-Tests über alle Länder und Rollen
Ergebnis
Die Kombination aus CSF-Datenmodell, BCUI, Business Rules und Person Types ermöglicht:
- Optimierte User Experience durch kontextbezogene Feldsteuerung
- Skalierbarkeit für neue Länder durch Nutzung von SAP-Standards
- Hohe Flexibilität durch dynamische Business Rules
- Automatisierte Steuerung über Attribute wie legale Einheit, Länder, Standorte, etc.
So entsteht ein global konsistentes HR-System mit lokaler Präzision – wartbar, erweiterbar und regulatorisch belastbar.